„Zwischen Verlust und Neubelebung“ – unter diesem Titel stand ein öffentliches Gespräch, zu dem die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Apolda am Mittwoch, 29. April, in die Martinskirche eingeladen hatte.
Deren Langschiff wird derzeit mit staatlicher Förderung zu einem modernen Soziokulturellen Zentrum umgebaut. Nach dem offiziellen Baustart Anfang März hatte allerdings eine Mitteilung des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) für Irritationen gesorgt. Tenor der Mitteilung: Der Umbau des Kirchenschiffs könnte den Denkmalstatus von Apoldas ältestem Gotteshaus gefährden.
Denkmalschutzbehörde prüft Auswirkungen geplanter Bauvorhaben
Rede und Antwort zu diesem Thema, das mittlerweile auch Apoldas Stadtrat beschäftigt hat, stand bei der Gesprächsrunde in der Martinskirche neben Elke Bergt, Leiterin des Baureferats bei der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), auch Michael Grass, Referent für praktische Denkmalpflege beim TLDA. Dieser gab den Anwesenden einen Einblick in die Arbeit der Behörde.
Das Amt habe unter anderem eine Beratungsfunktion, weil sie in Antrags- und Genehmigungsverfahren bewerten müsse, welche Auswirkungen ein bestimmtes Bauvorhaben auf ein Denkmal und die Merkmale, die es zum Denkmal machten, habe.
>Das Denkmal ist die Summe seiner einzelnen Teile.<
Michael Grass, Referent für praktische Denkmalpflege beim TLDA
Den Gedanken, wenn sich nichts am äußeren Erscheinungsbild ändere, ändere sich auch nichts am Denkmalstatus, bezeichnete Michael Grass als Missverständnis. „Das Denkmal ist die Summe seiner einzelnen Teile“, betonte er. Es gehe um die unterschiedlichen Zeitschichten, die sich in den Denkmälern zeigten, um die verschiedenen Zeugnisse ihrer Bau- und Nutzungsgeschichte, machte der Fachmann deutlich.
„Und aus all diesen einzelnen Besonderheiten formuliert sich dann der Denkmalwert – ganz viele unterschiedliche Schichten“, sagte er. Wie viele dieser Schichten seien am Ende noch da, was passiere mit den besonderen Merkmalen, die andere Gebäude nicht hätten, und reiche das, was dann noch übrig sei, um die Alleinstellung als Kulturdenkmal noch zu rechtfertigen – das zu entscheiden sei im Zuge eines Bauvorhabens Aufgabe der Denkmalpflege.
Klarheit über den Status gibt es nach Abschluss des Umbaus
Im Fall der Apoldaer Martinskirche habe sich, wie der TLDA-Referent rekapitulierte, die Kritik vor allem an der „Freimachung des Gebäudes“, insbesondere der Emporen, entzündet. Damit würde dem Gotteshaus ein ganz entscheidendes Merkmal genommen, das es von anderen unterscheide. „Und aus dieser Kritik heraus wurde formuliert, dass das Bauvorhaben Gefahr läuft, diesem Kulturdenkmal Martinskirche Apolda so viele Eigenschaften zu nehmen, dass am Ende nicht mehr hundertprozentig dargelegt werden kann, warum jetzt dieses Kulturdenkmal als gewachsenes Bauwerk noch Kulturdenkmal bleiben kann.“
Ob die Kirche ihren Denkmalstatus behält, werde sich aber erst am Ende der Arbeiten herausstellen, machte Michael Grass deutlich. „Es steht halt einfach aus, ob nach Beendigung der Baumaßnahmen das Denkmal noch als Kulturdenkmal da ist oder ob das Kulturdenkmal Martinskirche nicht mehr da ist“, sagte er. Eventuell bestehe die Chance, dass als Ergebnis eines Umdenkprozesses aus dem Kulturdenkmal Martinskirche einmal das Kulturdenkmal Soziokulturelles Zentrum werde, gab er zu bedenken. „Das kann ja auch passieren.“
Zuhörerin lobt das Umbauvorhaben
In der anschließenden Fragerunde wollte ein Zuhörer wissen, was es für die Kirchgemeinde bedeute, wenn der Denkmalstatus aberkannt werde – etwa im Hinblick auf eine finanzielle Förderung. „Aus Sicht der Denkmalpflege heißt das, dass Landesmittel für den Erhalt von Denkmälern hier nicht mehr reinfließen können“, antwortete Michael Grass.
Zu dieser Frage meldete sich danach auch noch Elke Bergt, die Bauverantwortliche der Landeskirche, zu Wort. In dem ganzen großen Paket des Projekts habe es bislang erst einmal einen Zuschuss vom Landesamt für Denkmalpflege gegeben – und zwar für die Untersuchung der Orgel, bevor diese ausgebaut worden sei. „Das ist ein ganz kleiner Teil gewesen“, betonte die Referatsleiterin. Das andere seien Städtebaufördermittel – „da hängt der Denkmalschutz nicht dran“.
Zuvor hatte eine Zuhörerin die Gelegenheit für ein Lob genutzt: Sie gab sich überzeugt, dass der laufende Umbau des Langschiffs die Martinskirche aufwerten und Leute nach Apolda ziehen werde – „weil das einfach was ganz Besonderes ist, was da entstehen soll“. Wenn Leute das Schicksal der Emporen bedauerten, verstehe sie das, machte sie deutlich, betonte aber auch: „Wir wollen natürlich hier was gestalten, was voranbringen und ein Zeichen setzen. Und da ist uns die Umsetzung dieses jetzt begonnenen Vorhabens extrem wichtig.“
